Der Gender-Irrsinn

Die neue Leitideologie und ein gigantisches Sozialexperiment:

Der Gender-Irrsinn

Karl Richter

Wir leben in einem Zeitalter, das sich zusehends vom Natürlichen abnabelt. Der postmoderne Großstädter hat immer weniger Kontakt zur Natur, ernährt sich immer künstlicher, und in seinem Denken ersetzen zunehmend „virtuelle”, also nur in der Vorstellung oder im Computer vorhandene Welten die Realität. Wer in dieser Entwicklung eine Folge der allgemeinen Bildungskatastophe sieht, liegt nicht ganz falsch: Blödianen, die außer dem täglichen RTL-Nachmittagsprogramm nichts mehr im Kopf haben, kann man jede Idiotie einreden. Beides zusammen, die fortschreitende Entnatürlichung unserer Lebensverhältnisse und der galoppierende Intelligenzverlust der ehemals zivilisierten „weißen” Gesellschaften der nördlichen Hemisphäre, ist die ideale Brutstätte des Irrsinns.

Der Marxismus, eines der großen Denkgebäude, die das 19. Jahrhundert hervorbrachte, bot ehedem ein präzises, ja sogar „wissenschaftliches” Instrumentarium zur Analyse der ökonomischen und gesellschaftlichen Prozesse. Aber: Marx treibender Impuls war die Fiktion des Klassenkampfes, die er 1848 im „Kommunistischen Manifest” umriß, ehe er in den 50er Jahren seine voluminösen theoretischen Werke zu Papier brachte. Alle späteren Revoluzzer und Wortführer der „Emanzipation” können sich auf Marx berufen, der alle bisherige Geschichte als Wechselspiel der immer gleichen – nämlich antagonistischen – sozialen Frontstellung (fehl)interpretierte: Sklaven gegen Gutsbesitzer, Bauern gegen Feudalherren, Bürger gegen Fürsten.

Freud und die Früchte des Trofim D. Lyssenko

Fatale Wirkung entfaltete der Marxismus, als er sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit einer anderen Pseudo-Religion vermengte, dem Freudianismus.

Während sich Freuds fragwürdiger Beitrag zur europäischen Geistesgeschichte im wesentlichen darauf beschränkte, alle menschlichen Strebungen entweder auf frühkindliche Fehlentwicklungen und/oder sexuelle Ungereimtheiten zu reduzieren, schlugen seine Adepten den Bogen zum Marxismus: beide trafen sich im sektenhaften Glauben an die gesellschaftliche – und nicht genetische – Prägung des Menschen sowie an die beliebige Veränderbarkeit aller Dinge. Im aufstrebenden Sowjetparadies, das den Marxismus als Staatsreligion zelebrierte, mutierten Psychologen zu „Ingenieuren der Seele”, während gleichzeitig fragwürdige Experimente die Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften „beweisen” sollten – der Fall des Sowjet-Vererbungspapstes Lyssenko, der der Gelehrtenwelt allen Ernstes durch Umwelteinflüsse „erzogene” Feldfrüchte präsentierte. Der Schwindel flog natürlich auf.

Das hinderte westliche angebliche „Intellektuelle” nicht daran, die Mär von der beliebigen Manipulierbarkeit des Natürlichen nach dem Zweiten Weltkrieg erneut aufs Tapet zu bringen. Diesmal mit ungleich mehr Erfolg, denn schließlich hatte der Marxismus ja an der Seite des westlich-plutokratischen Materialismus soeben den auf Abstammung und Erbgut beharrenden „Rassismus” der „Nazis” bezwungen. Der ideologische Luftraum der Nachkriegszeit wurde demzufolge von Linken aller Schattierungen beherrscht: Vulgärmarxisten, Freudianern, Behaviouristen, Feministen. Das Ergebnis ist bekannt.

Der Exkurs in die Ideengeschichte der letzten 150 Jahre ist nötig, um die Entstehungsgeschichte der jüngsten Denk-Verirrung bloßzulegen, die sich hinter dem Modewort „Gender Mainstreaming” verbirgt. Sie geht zurück auf den 1921 in Neuseeland geborenen und in den USA lebenden Psychiater John Money, der mit absurden Menschenversuchen von sich reden machte – und dabei auf den Spuren des Sowjet-Biologen Lyssenko wandelte: Money experimentierte mit Inter- und Transsexuellen sowie mit Geschlechtsumwandlungen und behauptete allen Ernstes, man könne aus Männern Frauen und aus Frauen Männer machen.

Was Darwin die Galapagosfinken, war Money ein kanadisches Zwillingspaar: das bedauernswerte Demonstrationsobjekt der eigenen Theorie. Bruce und Brian Reimer kamen am 22. August 1965 im kanadischen Winnipeg als eineiige männliche Zwillinge zur Welt. Bei der Beschneidung knapp zwei Jahre nach der Geburt wurde Bruces männliches Glied verstümmelt, die Eltern wandten sich an Money, der ihnen zur  Geschlechtsumwandlung ihres Kindes riet und diese gleich selbst vornahm. Aus Bruce wurde Brenda. Money schärfte den Eltern ein, das Kind konsequent als Mädchen zu erziehen und ihm auch die Operation strikt zu verheimlichen. Eine Hormonbehandlung sollte das übrige tun.

Operation gelungen, Patient tot

Allerdings hielt sich die Realität nicht an Moneys Vorgaben. „Brenda”, die nie Hosen tragen durfte, verhielt sich trotz Mädchenkleidung jungenhaft, raufte gern, interessierte sich statt für Puppen für Waffen und Autos und begann allmählich auch gegen die ständigen Besuche bei Money zu rebellieren. Mit 13 wehrte sie sich erfolgreich gegen weitere Operationen und gab auf die Frage „Willst du ein Mädchen sein oder nicht?” die trotzige Antwort: „Nein.” Die Eltern kapitulierten schließlich und klärten „Brenda” über ihre Vergangenheit auf. Das Kind nahm die Jungenrolle an, nannte sich „David” und ließ sein männliches Geschlechtsteil so gut als möglich wiederherstellen. David heiratete und adopierte die Kinder seiner Frau. Am 4. Mai 2004, im Alter von 38 Jahren, beging er mit einer Schrotflinte Selbstmord.

Operation gelungen, Patient tot. Nicht einmal das. Moneys Experiment war bereits 1973 gescheitert, als sein Urheber es in seinem Hauptwerk „Gender Identity” noch als medizinischen Erfolg auszugeben versuchte – und als Beweis dafür, daß die menschliche Geschlechterrolle rein umweltbedingt sei: das alte marxistische Dogma der Behaviouristen. In Fachkreisen hielt Moneys fragwürdiger Ruhm denn auch nicht lange vor, und 1979 wurde seine „Gender Identity Clinic” geschlossen. Erst jetzt begann er, sein medizinisches Muster-Experiment in seinen Schriften und Büchern dezent zu verschweigen, hielt an seiner kruden Theorie aber nichtsdestoweniger fest. Vorwürfen begegnete er mit der kaltschnäuzigen Behauptung, aus ihnen spreche der nackte Anti-Feminismus.

Es ist ein altes Gesetz in der Geschichte der wissenschaftlichen Moden: es müssen immer erst ein paar Jahre – meist Jahrzehnte – ins Land gehen, ehe das Neue zur „Schule” wird und Breitenwirksamkeit erlangt. Mit „richtig” oder „falsch” hat das nichts zu tun, eher mit den Eigengesetzlichkeiten der Sektenbildung. Marxismus, Freudianismus und Feminismus bieten dafür den besten Anschauungsunterricht: hier wie dort gab es „Päpste” und „Heilige Bücher”, Anhänger, „Ketzer”, eigene „Kirchen”, Abtrünnige und Konvertiten.

John Money starb 2006, doch der von ihm in die Welt gesetzte Wissenschafts-Irrsinn lebt weiter, weil Wellen vulgärmarxistischer Moden in den letzten Jahrzehnten das Feld bereitet haben. Man erinnert sich an die unsägliche Diskussion um eine andere Grundfrage der Biologie, nämlich, ob es „Rassen” im genetischen Sinne gebe. Als ob es noch schlagenderer Beweise bedurft hätte, steuerte gerade die Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes in den letzten zehn Jahren eine Reihe robuster Fakten bei, die die genetische Prägung des Menschen heute als völlig unstrittig erscheinen lassen. Nur unverbesserliche Linke kämpfen noch hilflos gegen die Fülle der Tatsachen an – während in den Apotheken längst die „Ethno-Medizin” ihren Einzug hält: Präparate, die speziell für bestimmte Bevölkerungsgruppen entwickelt wurden, weil neben Hautfarbe, Intelligenz und Charaktereigenschaften auch Krankheitsdispositionen und die Wirksamkeit von Medikamenten ethnisch, d.h. genetisch determiniert ist.

Gigantisches Umerziehungs-Experiment

Während der Kampf um die „Rasse” entschieden ist – zumindest bei denen, die es wissen müssen: Genetikern, Medizinern, Pharmazeuten -, wird um das Geschlecht umso grimmiger gestritten: ein Rückzugsgefecht, gewiß, aber eines mit verheerenden Auswirkungen. Denn während über das mißlungene Pilotexperiment des John Money heute niemand mehr ernsthaft diskutiert, betreiben Heerscharen feministisch vorbelasteter, vulgärmarxistisch umnebelter Pädagogen, Sozialwissenschaftler und Politiker heute genau sein Geschäft: die Geschlechtsumwandlung. Daß sie dabei nicht mehr mit dem Skalpell, sondern mit Mitteln der Propaganda, der Gehirnwäsche und aktiver Lobbypolitik vorgehen, macht die Sache nicht einfacher.

Das Zauberwort also heißt „Gender Mainstreaming”. Die dahinterstehende Ideologie ist der alte marxistisch-freudianische Wahn von den allmächtigen Umwelteinflüssen. Aus linker Sicht ein durchaus nachvollziehbares Manöver: nach dem verlorenen Gefecht um die „Rasse” muß die beliebige Veränderbarkeit des Natürlichen – insbesondere mit Mitteln der Erziehung, der Belehrung, der Indoktrination – nun an einem anderen Objekt „bewiesen” werden. Und weil es manipulierte Kartoffeln, wie bei Lyssenko, und auch der inzwischen entzifferte genetische Code nicht mehr tun, ist jetzt das Geschlecht dran. Seine Existenz wird kurzweg geleugnet, oder besser: diffamiert, nämlich als etwas Sekundäres, durch Umwelt und Gesellschaft Anerzogenes, das „sozial erlebte Geschlecht”.

Man merkt die Absicht und ist verstimmt. Denn wenn man die „Gender”-Fiktion ernstnimmt, eröffnet sie ganzen Berufszweigen, Psychologen, Psychiatern und Sozialtherapeuten, ein unerschöpfliches Betätigungsfeld – und der Linken die Möglichkeit, nach dem gescheiterten Kommunismus ein neues gigantisches Bevormundungs-Experiment auszurufen. Zielobjekt: die ganze Menschheit – schließlich ist jeder Erdenbürger entweder Mann oder Frau, in den Augen der „Gender”-Ideologen mithin veränderbar und umerziehungsbedürftig. Und wer sich weigert?

Tatsächlich ist der „Gender Mainstreaming”-Irrsinn gefährlicher als alle vorangegangenen Pathologien, die die Linke der Menschheit in den letzten 150 Jahren zugemutet hat. Sie stellt nämlich nicht soziale Besitzstände, Eigentums- oder Produktionsverhältnisse in Frage, sondern Primäres, Eigentliches am Menschen: seine Identität, die sich im Geschlecht manifestiert. Menschsein ist, so banal die Feststellung klingt, per se sexuell determiniert. Wer als Mensch durchs Leben geht, tut dies zwangsläufig als Mann oder Frau, und zwar von Geburt an. Das Sexuelle ist eine Primärgröße des Lebens.

Angriff auf die Familie

Sie der Manipulierbarkeit durch postmoderne „Ingenieure der Seele” preiszugeben, bedeutet den vielleicht radikalsten Angriff auf die Spezies, der sich denken läßt. Er braucht keinen Vergleich mit den kommunistischen Massenmord-Freilandversuchen des 20. Jahrhunderts zu scheuen. Was im Sowjetstaat Kulaken und „Klassenfeinde” waren – Verstockte, die sich den Segnungen des Kommunismus verweigerten -, sind in den Augen der „Gender”-Ideologen alle, die sich in ihrer Haut wohlfühlen und mit ihrer Rolle als Mann oder Frau eigentlich ganz zufrieden sind: in der schönen neuen „Gender”-Welt ein veritables Gedankenverbrechen, denn Männer sind nun mal „Chauvis” und Frauen prinzipiell benachteiligt. Da hilft nur hartnäckige Therapie, ganz wie bei „Gender”-Stammvater Money: aus Männern mach Frauen – und umgekehrt.

Übertrieben? Mitnichten. Bettina Röhl bringt es in der Zeitschrift „Cicero” auf den Punkt:

„„Gender Mainstreaming” heißt im Klartext kompletter Umbau der Gesellschaft und Neuerfindung der Menschheit. „Gender Mainstreaming” ist eine Art totalitärer Kommunismus in Sachen Sex und Geschlechterbeziehung. Mädchen in die GM-Förderprogramme, Jungs in die „Gender Mainstream”-Umerziehungsschule, wo sie die historischen Verbrechen der Männer an den Frauen büffeln. Und die Familie? Abgeschafft. Nur schwach kann GM verbergen, daß hier eine Art pseudowissenschaftlicher „Rassismus” und letztlich auch Sexismus zwischen den Geschlechtern initiiert wird, an dessen Ende eine männerlose Welt stehen könnte. Eine Allmachtsphantasie.”

Vorderhand ist „Gender Mainstreaming” vor allem eines: ein weiterer Frontalangriff auf die Institution Familie. Denn „Gender Mainstreaming” ist auf dem besten Weg, zur Leit-Ideologie der westlichen Gesellschaften zu werden, die in den letzten Jahrzehnten bereits mit Erfolg durch die Säurebäder der 68er-Umerziehung, des „Antifaschismus”/„Antirassismus” und der political correctness für den finalen Gehirntod präpariert wurden.

Szenen aus dem realexistierenden „Gender Mainstreaming”-Irrenhaus: in Wien wurden, um „überholte” Geschlechterbilder im öffentlichen Raum zu konterkarieren, für viel Geld neue Verkehrsschilder und Piktogramme hergestellt, die die neuen, erwünschten Rollenbilder widerspiegeln sollen – auf Fluchtwegen etwa eine fliehende Frau mit wehenden Haaren und Rock, an den Sitzplätzen für Alte, Behinderte und Frauen mit Kindern in den öffentlichen Verkehrsmitteln ein Mann, der ein Baby im Arm hält. Die sozialistische Frauenstadträtin Sonja Wehsely macht aus ihrer Umerziehungsabsicht kein Hehl: „Auch Zeichensprache zeigt sehr viel über Machtverhältnisse und sehr viel über Rollenverteilung. Das ist ein Bereich, der ganz leicht zu verändern ist.”

„Gender”-Ministerin Ursula von der Leyen

Der Irrsinn fängt freilich, wie könnte es anders sein, schon im eigenen bundesdeutschen Narrenbiotop an. In Nordrhein-Westfalen gab die Landesregierung unlängst die stattliche Summe von 27.000 Euro für eine Studie aus, die Umweltexperten angefertigt hatten: aber nicht etwa über die Auswirkungen des Klimawandels oder die Vermehrung des Borkenkäfers, sondern über die Umsetzung von „Gender Mainstreaming” im Nationalpark Eifel. Die „Experten”, eine Soziologin und eine Ökotrophologin, empfahlen unter anderem, Bilder von der Hirschbrunft möglichst aus den Werbebroschüren des Nationalparks zu streichen, denn so etwas fördere „stereotype Geschlechterrollen”.

Was die wenigsten wissen: solche Entgleisungen sind keine Einzelfälle, sondern offizielle Regierungspolitik der Merkel-Koalition. Denn: „Gender Mainstreaming” ist Leitprinzip für alle Bundesbehörden, so steht es in der – noch unter Rot-Grün aktualisierten – Geschäftsordnung der Bundesregierung. Zwölf Bundesländer sind inzwischen mit eigenen ähnlichlautenden Regelungen nachgezogen, das CSU-regierte Bayern ebenso wie der rot-rote Berliner Senat. Ganz vorne dabei: die angeblich „konservative” CDU-Bundesfamilien(?)ministerin Ursula von der Leyen. Sie verkündete gleich zu Beginn ihrer Amtszeit: „Mit Gender Mainstreaming hinken wir der internationalen Entwicklung hinterher.”

Umerziehung, Geschlechtsumwandlung, die Herbeimanipulation eines „neuen Menschen” – und alles auch noch als offizielle Politik der Bundesregierung. Wer hätte gedacht, daß es einmal so weit kommen könnte? Als der US-Historiker Francis Fukuyama Anfang der neunziger Jahre sein vielbeachtetes Buch über das „Ende der Geschichte” vorlegte, gab es „Gender Mainstreaming” noch nicht. Heute sind wir schlauer und dem Ende der Geschichte infolge Verblödung ein gutes Stück näher. Danke, Mr. Money!

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