Aufstand gegen Straßenschilder

28. September 2012 2 Von Karl Richter

Eine denkwürdige Diskussionsveranstaltung im Rathaus

Schon im Juli 2006  beschloß der Kommunalausschuß des Münchner Stadtrats mit den Stimmen von Grünen und SPD und gegen den Willen nahezu aller Anwohner die „Straßenneubenennung der ‚Von-Trotha-Straße’ in ‚Hererostraße’“. Zur Begründung der Umbenennung diente die Rolle des Generalleutnants Lothar von Trotha (1845–1920) bei der Niederschlagung des Herero-Aufstandes in Deutsch-Südwest im Jahr 1904.

Doch das war dem Münchner Ausländerbeirat, der sonst offenbar keine Probleme hat, zu wenig. Er legte deshalb nach und präsentierte am 26. März 2012 gleich eine ganze Wunschliste für weitere Umbenennungen. Betroffen sind etwa die Groß-Nabas-Straße, die Swakopmunder Straße und die Taku-Fort-Straße, weil dort „Massaker“ stattgefunden hätten.

Natürlich führte das Ansinnen des Ausländerbeirats zu Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen bei Anwohnern und in den Bezirksausschüssen. Vor allem die Anwohner sind in ihrer Mehrheit, wie schon im Fall der Von Trotha-Straße, gegen weitere Umbenennungen. Den Ausländerbeirat ficht das nicht an. Um die Dringlichkeit der Straßenumbenennungen im Münchner Osten zu unterstreichen, lud er dieser Tage gemeinsam mit dem „Arbeitskreis Panafrikanismus München e.V.“ zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Koloniale Straßennamen: wie lange noch?“ ins Münchner Rathaus ein.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung, moderiert von Almut Hilscher, einer langjährigen Afrika-Korrespondentin des „Spiegel“, wurde darauf hingewiesen, daß von einer Gruppierung, die mit einem Stadtrat im Rathaus vertreten ist, der Ausländerbeirat schon mal als „überflüssig“ bezeichnet worden sei – erschreckend. Daraufhin stellten die Podiumsteilnehmer/innen ihre Ansichten zum Thema vor, wobei CSU-Stadtrat Hans Podiuk noch die beste Figur abgab. Grünen-Lobbyist Siegfried Benker vertrat dagegen voll und ganz die Position des Ausländerbeirats und des „Arbeitskreises Panafrikanismus“. Schwarze Diskussionsteilnehmer – nicht von der CSU, dafür in exotischer Gewandung – wiederum strotzten vor Selbstbewußtsein. Eine schwarze Teilnehmerin beklagte mit lauter Stimme ihr Schicksal und das ihrer Kinder, die gezwungen seien, täglich mit den Straßentafeln, auf denen die Namen der Unterdrücker prangten, konfrontiert zu werden.

Schließlich kam BIA-Vertreter Manfred Schiessl zu Wort, unvergessen seit seiner Kandidatur zum Ausländerbeirat mit der BIA-nahen Liste ALK vor zwei Jahren. Er meinte, für ihn sei die Umbennungswut ein Tribut an den Zeitgeist oder „Mainstream“, der zur Zeit scharf links stehe. Schiessl argumentierte, man solle die Straßennamen so belassen, wie sie sind – die Stadt könne ja mit verstärkten Anstrengungen im Wohnungsbau neue Straßen schaffen und diese dann neu benennen. Vermutlich ein frommer Wunsch, so lange es viel vordringlichere Herausforderungen der Stadtpolitik gibt – wie zum Beispiel die Umbenennung der verbliebenen Münchner „Kolonialstraßen“…