Dünnhäutiger Denunziant

Wieder einmal: Ermittlungsverfahren gegen BIA-Stadtrat Karl Richter eingestellt

Der Sendlinger SPD-Mann Ernst Dill, Mitglied im Bezirksausschuß 6 (Sendling), ist eigentlich Rechtsanwalt. Mit seinem Rechtsverständnis ist es allerdings nicht weit her, denn in seiner Freizeit betätigt er sich – in seiner Eigenschaft als „Rechtsextremismus-Beauftragter“ seines Bezirksausschusses – auch als eifriger Denunziant. Traurige Bekanntheit erlangte Dill damit im Sommer letzten Jahres, als infolge seiner Umtriebe ein alteingesessener italienischer Gastwirt in der Implerstraße schließen mußte. Dill hatte dort, worüber sogar die Lokalpresse berichtete, über Wochen hinweg Teilnehmer der Münchner PEGIDA-Umzüge bespitzelt, die sich nach ihren Kundgebungen regelmäßig zum Essen bei dem Wirt trafen. Dill setzte den Gastwirt unter Druck, seine PEGIDA-Gäste vor die Tür zu setzen. Doch der italienische Gastronom weigerte sich, weil ihm seine Gäste keinen Anlaß lieferten, ihnen Hausverbot zu erteilen. Daraufhin denunzierte Dill den Wirt bei dessen Brauerei, die daraufhin ihren Pachtvertrag kündigte. Im Juni mußte das „Casa mia“ schließen. Ein besonders widerlicher Fall von Gesinnungshetze.

Der Vorfall empörte nicht nur viele Anwohner und Stammgäste, sondern auch BIA-Stadtrat Karl Richter, der den Fall im Rathaus und auf Facebook aufgriff. Dort widmete er Dill und seinen Umtrieben einen Beitrag unter dem Titel „Denunziant des Jahres“. Doch nun gab sich Dill dünnhäutig und sah sich seinerseits denunziert – er erstattete im Juli Strafanzeige gegen den BIA-Stadtrat: wegen „übler Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens“.

Die Münchner Staatsanwaltschaft vermochte das nicht nachzuvollziehen. Kein Wunder, geht aus den Akten doch hervor, daß schon der ermittelnde Kriminalhauptkommissar zu Protokoll geben mußte: „Die von Hr. Richter im Artikel genannten persönlichen Daten zu Hr. Dill sind über einfache google-Recherchen für jedermann recherchierbar. Die von Hr. Richter im Artikel getätigten Angaben erschienen kurz zuvor in einem Zeitungsartikel.“ Das Ermittlungsverfahren gegen den einzigen oppositionellen Stadtrat im Münchner Rathaus wurde daraufhin kürzlich eingestellt.

Der Sendlinger SPD-Spitzel Ernst Dill kann damit wieder als das bezeichnet werden, was er ist: Denunziant des Jahres. Dem von ihm in den Ruin getriebenen italienischen Gastwirt hilft das allerdings auch nicht mehr.